Bemerkenswert

Wo fange ich an…

Dies ist die Kurzfassung des Beitrags.

Unglaublich, aber wahr…

Ein lieber Mensch erzählte mir von WordPress, und meinte „Mensch, wäre das nicht was für Dich?“ Hm… was soll ich sagen: ja klar, ich schreibe ganz gerne mal Texte. In erster Linie Gedichte über das, was mich gerade bewegt.
Aber ja klar: wenn man über dieses oder jenes nachdenkt, und es nicht immer in ein Gedicht zu packen weiß: warum nicht ein Blog?! Warum nicht hin und wieder das raus lassen, was einem so durch den Kopf geht?! Zumal – Ihr kennt es wohl selbst – oft eine Resonanz auf Äußerungen kommen wie „Das kenne ich nur zu gut“, „So bin ich auch“, oder „ich denke da genau wie Du drüber“. Warum nicht also vielleicht hin und wieder etwas von der Seele schreiben?!

Also „Hallo Welt, hier komme ich…. Sabrina Jakob, 38, Mama von 2 wundervollen Kindern“

Ich bin ich

Ich habe in meinem bisherigen Leben viel erlebt.

Ich bin auf dem Zahnfleisch gekrochen – und bin erhobenen Hauptes gegangen.

Ich bin auf allen vieren gekrochen – und wieder aufgestanden.

Ich habe bodenlose Dunkelheit erlebt – und durfte wieder die Sonne sehen.

Ich habe tiefe Täler erkundet – und die höchsten Gipfel erreicht.

Ich habe Menschen kommen sehen – und ebenso gehen.

Ich habe Leben entstehen fühlen dürfen – und wie geliebtes Leben endet.

Ich habe neues Leben willkommen geheißen – und verabschiedet.

Ich habe Freundschaften geschlossen – und beendet.

Ich durfte Liebe geben, Liebe empfangen – und fühlen, wie es ist, nicht geliebt zu werden.

Ich durfte träumen – und den Albtraum erleben.

Ich durfte erkennen, wer für mich da ist – und wer nicht.

Ich durfte sehen, wer Freund ist – und wer Feind.

Ich durfte fühlen, wer es gut mit mir meint – und wer nicht.

Es gab Menschen, die das Gute in mir zum Vorschein brachten – und welche, die das Gegenteil erreichen wollten.

Es gab Menschen, die ich zu Prioritäten machte – doch ich war nur eine Option.


Es gab Menschen, die mich klein machen wollten – und welche, die bereit waren, mich auf ein Podest zu stellen.

Es gab Menschen, die in meinen dunkelsten Zeiten für mich da waren – und welche, von denen Vorwürfe, Unterstellungen, Ignoranz und Intoleranz kamen.

Es gab Menschen, die dafür sorgten, dass ich an mir selbst zu zweifeln beginne – und Menschen, die mir zeigten und bewusst machten, dass ich gut so bin, wie ich bin.

Es gab Menschen, die alles dafür Taten, um mich am Boden zu sehen – und Menschen, die mir eine Hand reichten, um wieder aufzustehen.

Es gab Menschen, die mir jegliche Kraft raubten – und Menschen, die mir Kraft gaben.

Es gab Menschen, die mich fast bis zur vollständigen Erschöpfung schwächten – und mir letztendlich zeigten, wie stark ich eigentlich bin.

Es gab Menschen, bei und vor denen ich funktionierte – und Menschen, die mir ein lange verlorenes Gefühl zurück gaben: das Gefühl, wieder am Leben zu sein.

Es gab Menschen, zu denen ich aufschaute – und es gab Menschen, die mir zeigten, wie ich definitiv nicht werden möchte.

Ich bin trotz aller Schmerzen, die ich durch machen musste, dankbar für die Erfahrungen. Denn sie haben mir gezeigt, was ich kann oder auch nicht schaffe.
Sie haben mir gezeigt, was für mich wichtig ist, und dass ich auch an mich selbst denken muss und darf.
Sie haben mich zu dem Menschen gemacht, der ich bin.

Ich bin ich.
Mit meinen Erfahrungen.
Mit meinen Fehlern.
Mit meinen Stärken.
Mit meinen Fehlern.
Mit meinen Tränen.
Mit meinem Lachen.
Mit meinen Träumen.
Mit meinen Ängsten.

Und ich danke allen, die mich durch gemeinsame Erfahrungen geformt haben. Die mich haben wachsen lassen. Die für mich da waren – oder gezeigt haben, wie falsch und verlogen die sind.
Ich danke denen, die hinter die Maske geblickt haben. Die mich WIRKLICH kennen, und sich nicht von anderen manipulieren lassen!

Es gibt zu viele Menschen, die bedingungslos alles glauben, was ihnen erzählt wird. Es gibt Neider. Es gibt immer Menschen, die glauben, die Wahrheit oder Umstände zu kennen – dies aber nicht tun. Oder sich ihre eigene Wahrheit zurecht biegen, nur, weil sie ihnen am besten schmeckt.

Und es gibt Menschen, die selbst so von einer falschen Wahrheit überzeugt sind, dass sie es schaffen, auch andere damit zu „infizieren“.

Auch solche Menschen kannte und kenne ich.
Und ich habe es geschafft, mich von solchen Menschen zu „trennen“.
Mir wurden die Augen geöffnet.
Ich habe Menschen verloren, die sich haben beeinflussen lassen. Und eigentlich sollte ich darüber traurig sein.
Aber nein. Ich habe „nur“ Mitleid, da sie mir zeigen, dass sie mich nicht kennen. Nicht wissen, wie ich bin. Oder dass ich nicht in der Lage wäre, sie von der wahren Wahrheit zu überzeugen.

Also lasse ich sie (manchmal auch schweren Herzens) ziehen – und wünsche ihnen, dass sie nicht irgendwann selbst erleben müssen, dass über sie Halbwahrheiten oder Lügen erzählt werden.

Danke an alle, die mich kennen, wie ich nunmal bin.
Die mich mögen, wie ich bin.
Die mich schätzen, wie ich bin.
Die mich sein lassen, wie ich bin.

Denn:
Ich bin ich.
Mit meinen Erfahrungen.
Mit meinen Fehlern.
Mit meinen Stärken.
Mit meinen Fehlern.
Mit meinen Tränen.
Mit meinem Lachen.
Mit meinen Träumen.
Mit meinen Ängsten.

(Bild+Text: Brina Jakob)

Diese Tage

Jeder kennt sie wohl, diese grauen, dunklen und tristen Tage, an denen man auch innerlich friert und kaum vor die Tür möchte, weil einem nur Kälte begegnet. Man igelt sich ein, und fühlt sich innerlich wie vor Kälte erstarrt.

Jeder kennt sie wohl, diese wolkenverhangenen Tage, an denen man sich verkriechen möchte, weil man die Regentropfen nicht mehr ertragen kann. Weil jeder Tropfen zusätzlich schmerzt und in der Kälte zu Eis erstarrt.

Man verkriecht sich in sein Schneckenhaus, und wartet darauf, dass das Wetter umschlägt.

Aber ist es nicht verrückt, wie schön plötzlich auch schlechtes Wetter sein kann?

Die kalten Tage darf man plötzlich mit einem Menschen verbringen, der einem ein Gefühl von Wärme schenkt. An dessen Seite man die Kälte plötzlich nicht mehr spürt.

Man darf die regnerischen Tage plötzlich mit einem Menschen verbringen, dessen Nähe wie ein Schutzschild ist, und plötzlich treffen einen die Regentropfen nicht mehr.

Solch einem Menschen zu begegnen, und ihn in Deinem Leben zu haben, ist unbezahlbar.

Sei dankbar, wenn Du den Menschen gefunden hast, der das Eis in Dir zu schmelzen bringt.

Sei dankbar, wenn Du den Menschen gefunden hast, der zu Deinem schützenden Schild wurde.

Hast Du ihn gefunden, gib ihn nicht mehr her.

Der Weg

(Bild und Text: Brina Jakob)

Jeder Mensch hat seinen ganz eigenen Weg.
Kein Weg gleicht dem anderen, und jeder Weg hat seine Besonderheiten.

Manchmal scheint es, als würde der Weg eines Menschen geradeaus zu verlaufen, während der Weg eines anderen kurvig erscheint.

Manchmal scheint es, als würde der Weg sandig verlaufen, während der Weg eines anderen steinig zu sein scheint.

Manchmal scheint es, als würde der Weg eines Menschen wie perfekt navigiert verlaufen, während der Weg eines anderen erscheint, als fehlen ihm die nötigen Wegweiser.

Manchmal scheint es, als wäre der Weg eines Menschen voll von anderen, die den gleichen Weg eingeschlagen haben, während der Weg eines anderen erscheint, als würde er diesen alleine bestreiten müssen.

Manchmal scheint es, als wäre der Weg eines Menschen leichtfüßig begehbar zu sein, während der eines anderen voller Stolpersteine zu sein.

Manchmal scheint der Weg eines Menschen von Sonnenschein durchflutet zu sein, während sich über dem eines anderen ein heftiges Gewitter zusammen zu brauen scheint.

Manchmal gehen wir unseren Weg alleine.
Entweder, weil wir es so gewohnt sind oder so gewählt haben, während manche von uns ihre Weggefährten haben ziehen lassen müssen.
Sei es, weil ihre Füße sie nicht weiter getragen haben, oder auch, weil sich gezeigt hat, dass sie einen anderen Weg für sich wählen wollten oder gar mussten.

Manchmal bestreiten wir unseren weiteren Weg alleine, doch manchmal begegnen wir einem Menschen, der nach unserer Hand greift und uns sagt, dass er den weiteren Weg mit uns geht.
Egal, ob steinig oder nicht.
Egal, ob die Sonne scheint, oder sich ein Gewitter zusammen braut.

Er greift nach unserer Hand, lässt sie nicht mehr los, und hilft uns auch über Hürden und Hindernisse hinweg.

Er greift nach unserer Hand, wird zu unserem Navigator oder Wegweiser.
Und plötzlich erscheint unser Weg uns gar nicht mehr so steinig und schwer – weil wir einen Menschen an unserer Seite haben, der uns auf unserem Weg begleitet.

Drop down the mask and open your heart

I think most know how it is to walk through your live with wearing a mask.

We all have made our experiences which have shown us that most other people don´t want to see and notice us like we really are. Most of them want to see us all the time as strong, brave, funny, lucky, positive, kind, calm and so on.

But all of us have these bad days when we most would like to stay in bed. Days when our mood isn´t the best. Days when we feel tired or sad. Days when we don´t wanna see anyone or talk to anyone. Days when we wanna stay alone.

But there are also days when we think of someone. Someone we like. Someone to drop us our mask. Someone we wish to see us as we are. Someone we like to see face to face. Someone we like to talk to. Someone we also like to see him as he is. Someone we really wanna get to know. Someone we´re interested in. Someone whose opinion interests us. And who is interested in our opinion.

But nowadays it isn´t easy to find someone like this. Because everyone wears a mask and is increasingly afraid to take it off and to show how he really is.

There were times in my life when I thought I would have found someone like this. I opened my heart and soul. I dropped my mask because I believed that there is someone I can really trust. But I´ve been disappointed too often. And so I built a wall and put on my mask again. Because life has taught me that it is better to wear my mask and not show me with my mistakes and weaknesses .

But that isn´t what I want.

I don´t want to wear a mask. I wanna drop it. I wanna be allowed to be as I am. With all my mistakes and weaknesses.

I wanna be allowed to say what I feel. What I´m afraid of.

I wished there is someone who wants to know me as I am. Someone who likes me as I am. Maybe to love me as I am. Someone who wants to meet me because I am as I am. Someone who contacts me by himself because he likes me as I am. Someone who´s interested in me because I am as I am. Someone who allows me to drop my mask. Someone I can open my heart again. And who opens his heart for me because I´m worth it.

I also wish that more people would drop their masks and show themselves to others what they are like. Because somewhere there is always someone who likes and accepts you as you are. Who possibly learn to love you as you are. With your mistakes and weaknesses. Without your mask. And who opens his hearts to you because you are worth it. Just the way you are. Because you are as you are.

Begegnungen

Heutzutage scheint es immer schwieriger zu werden, neue Kontakte zu knüpfen.

Oft sind es Arbeit und Co, die Distanzen schaffen, und viele Verpflichtungen (seien es Ehrenämter, Familiäres, oder Vereine) machen es oft gefühlt nahezu unmöglich, neue Menschen kennenzulernen.

Manchmal ist man gezwungen, neue Wege zu gehen – manchmal auch abseits der Menschen, die einem nahe stehen.

Und doch ist es manchmal aber tatsächlich so, dass man unter Menschen „gerät“, zu denen man ein Band knüpft.

Hobbys können Menschen verbinden. Sprachen können Menschen verbinden. Die Leidenschaft für Berge oder das Meer.

Man trifft auf Menschen, die an den gleichen Dingen Gefallen haben oder finden. Man trifft auf Menschen, mit denen man etwas gemeinsam hat. Mit denen man etwas gemeinsam tun und vielleicht sogar auch erleben kann.

Man trifft immer öfter aufeinander, und merkt, dass man beginnt, diese Zeit zunehmend zu genießen. Weil man Spaß hat. Sei es an der Sache, die man gemeinsam tut selbst, oder sei es an den Menschen, mit denen man dies tut. Denn manchmal sind da Menschen bei, die eine Ausstrahlung haben, die einen fesselt.

Man redet miteinander. Anfangs meist über ganz banale Dinge. Man ist sich sympathisch, redet zunehmend auch über privates, den Alltag, was einen umtreibt, beschäftigt… Im schlimmsten Fall merkt man, man kann doch nicht ganz so gut zusammen, wie anfangs gedacht – behält aber seinen Respekt dem anderen gegenüber bei, und kann dennoch Zeit zusammen verbringen.

Im besten Fall merkt man, dass man einen Menschen vor sich hat, den es interessiert, was man denkt. Wie man etwas sieht. Wie man zu etwas steht. Den es interessiert, welche Pläne man noch hat. Der wissen möchte, was einen umtreibt.

Bekanntschaften entstehen. Freundschaften entstehen. Manche oberflächlicher, andere tief. Manche beschränken sich zeitlich auf die Treffen innerhalb einer Gruppe, andere wachsen in privatem Umfeld weiter.

Manche entwickeln sich ganz langsam, andere wiederum rasend schnell.

Manche führen zu einer Verbundenheit, die so tief wird, dass man sich kaum noch daran erinnern mag, wie es war, bevor diese Menschen in das Leben getreten sind. Man kann sie sich nicht mehr daraus weg denken.

Man vertraut ihnen. Fragt sie um ihre Meinung. Um ihre Ansicht. Weil es einem wichtig ist, zu wissen, wie sie zu etwas stehen.

Man geht offen, ehrlich, loyal mit ihnen um, und schenkt ihnen sein Vertrauen – in der Hoffnung, es wird nicht missbraucht.

Man öffnet ihnen sein Herz, lässt sie eintreten, und hofft, dass sie von sich aus dort verweilen möchten.

Man hofft, dass die Bande, die durch gemeinsame Hobbys, Ziele, Einstellungen, Erfahrungen und gemeinsame Zeit entstehen, wachsen und gedeihen und nicht verwelken.

Manche Menschen verlassen einen aus den unterschiedlichsten Gründen wieder. Oder sie ziehen sich zurück.

Was aber dennoch oft bleibt, ist bei einem selbst das Gefühl der Verbundenheit, und die Hoffnung, dieses Gefühl hält an.

Manchmal muss man darum kämpfen. Zumindest gefühlt. Manchmal fehlt einem einer dieser Menschen. Manchmal ist die Verbundheit groß genug, um es dann auch zu äußern. Manchmal ist die Angst zu groß. Manchmal hat man die Gewissheit, der andere sieht es wie man selbst. Manchmal überwiegt die Unsicherheit, ob es dem anderen ebenso ergeht wie einem selbst, und man traut sich nicht, es offen anzusprechen.

Was bleibt ist aber die Tatsache, dass es Dinge gibt, die Menschen verbinden. Sei es ein Hobby, sei es eine Sprache, sei es die Leidenschaft für etwas.

Und die Spuren in den Herzen, die diese Menschen hinterlassen.IMGP5509bear

(Text + Foto: Brina Jakob)

Verfall

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(Bild: Brina Jakob Photography)

 

„Verfall“… wie der Zahn der Zeit an etwas nagen kann, sieht man, wenn man mit offenen Augen durch die Gassen eines Ortes geht… So ging es mir am gestrigen Samstag, als ich in Begleitung lieber Menschen mit der Kamera durch die Straßen eines Ortes in der Nähe meines Wohnortes schlenderte.

Überall leerstehende Häuser mit zerbrochenen Scheiben, undichtem Dach, der Natur, die sich ihr Reich zurück erobert.

Leer stehende Kneipen, in denen man sich „früher“ noch in geselliger Runde hinsetzte, und sich über das Wetter, Politik und auch andere Themen des Lebens bei einem Bier austauschte.

Leer stehende Ställe und Scheunen, die eins von Leben gefüllt waren – oder von zum Leben notwendigen „Bedarf“.

Gebäude, in denen einst Menschen oder Tiere liebten und lebten.

Nur noch mehr oder weniger halbwegs gut erhaltene Gerippe. Ein paar Mauern, die stehen, und, wenn sie Glück haben, noch ein paar Jahre stehen bleiben, bevor sie zusammen fallen, oder von wildem Wuchs überwuchert wurden.

Überall ist zu sehen, wie die Farbe abblättert, die Scharniere, Schlösser und anderes von Rost überzogen sind oder werden.

Man sieht überall den Lauf der Zeit. Man sieht überall, wie etwas „verkommt“, wenn es nicht gehegt und gepflegt wird.

Wie etwas verfällt, wenn es nicht mit Leben gefüllt wird. Wenn sich nicht um etwas gekümmert wird. Wenn nichts Instand gehalten oder repariert wird.

Doch nicht nur „Dinge“ verfallen… Auch Menschen kann dies auf andere Art und Weise geschehen… Schaut man sich die Gesellschaft an, und bedenkt, welche Werte einmal gelebt wurden, und was sie so manchen Menschen mittlerweile noch bedeuten, bekommt man den Eindruch, dass auch die Menschheit/die Gesellschaft „verfällt“.

Wo „früher“ noch etwas gehegt und gepflegt wurde, damit es lange (an-)hält, wird mittlerweile weggeworfen und/oder ausgetauscht.

Man scheint „ersetzbar“ zu sein oder zu werden. Im Job muss immer mehr geleistet werden. Die Erwartungshaltungen heutzutage sind hoch – und erfüllt man die Erwartungen nicht, hockt um die Ecke jemand, von dem geglaubt wird, dieser könne die Erwartungen erfüllen. Man wird ausgetauscht. Wie ein Gegenstand, den man auf den Flohmarkt stellt, und schaut, ob ihn jemand mitnimmt – gegen Geld, oder für geschenkt.

Auch in zwischenmenschlichen Sachen wird kaum noch etwas repariert.

Werte, die groß geschrieben sein sollten, überlesen zunehmend mehr Menschen.

Respekt zum Beispiel wird längst nicht mehr so groß geschrieben, wie es sein sollte… Respekt wird von jedem erwartet – und erfährt es scheinbar immer seltener.

Loyalität auch… Es wird erwartet, dass man loyal ist, und erfährt immer öfter, wie jemand einem in den Rücken fällt.

Ehrlichkeit… Jeder möchte, dass man weiß, woran man ist. Niemand möchte angelogen werden. Und doch gibt es viel zu viele Menschen, die nur das sagen, was andere hören wollen. Sie sind nicht mehr aufrichtig, und machen es sich bequem.

Manche scheuen in manchen Situationen Ehrlichkeit, da sie wissen, dass diese einem anderen weh tun könnte. Doch vergessen sie dabei, dass die Wahrheit zwar weh tun kann, aber immer noch besser ist als falsche Hoffnungen oder eine gelebte Lüge.

Manche vergessen, dass der Mensch ihnen gegenüber schon ahnt, dass etwas nicht ehrlich ist, oder nicht ganz der Wahrheit entspricht. Und trotzdem scheuen sie sich, die Wahrheit auszusprechen. Eine Wahrheit, die offensichtlich scheint.

Offenheit… Jeder wünscht sich jemanden, der ihm gegenüber offen und ehrlich ist. Der offen ausspricht, was ihn bewegt, umtreibt, oder auch belastet.

Jeder möchte wissen, woran man ist. Und doch gibt es Menschen, die es scheuen, offen mit etwas umzugehen.

Sie tragen Masken. Oftmals schöne, bunte, fröhliche Masken, die andere erfreuen. Masken, die anderen Hoffnungen machen, oder den Glauben an etwas schenken.

Fröhliche Farben. Perfekt gemalt. Ohne offensichtliche Makel.

Doch so, wie die Farbe und der Putz eines Gebäudes mit der Zeit seine Risse bekommt… So, wie dort Farbe abplatzt, so kann auch die schönste Maske sich in Wohlgefallen auflösen.

Und zum Vorschein kommt ein Verfall… Ein Verfall der Menscheit… Ein Verfall der Gesellschaft…

Denn man hegt und pflegt nichts mehr… Andere nicht, und sich selbst wohl manches Mal auch nicht…

 

Man erwartet – und läuft selbst vor der Verantwortung davon.

Man hegt und pflegt manch materielle Dinge, und vergisst dabei die eigene Menschlichkeit.

Und so, wie manche Dinge und Gebäude verfallen – so verfallen auch menschliche Werte… Ein Verfall, der mich traurig stimmt!

Winterblues

Manchmal wandeln wir wie durch leere Straßen. Weit und breit kein Mensch zu sehen. Wie irren alleine wie ziellos umher. Nur die Straßenlaternen leuchten uns den Weg, den wir vorsichtig Schritt für Schritt weitergehen.

Wir laufen langsam, als wäre der Boden gefroren und als würden wir jeden Moment ausrutschen. Als würde der Frost uns jeden Moment den Boden unter den Füßen weg reißen, und wir augenblicklich stürzen.

 

Geraten wir ins Straucheln, können wir das Glück haben, uns noch rechtzeitig abfangen zu können. Doch es kann auch passieren, dass wir zu Boden gleiten. Mal haben wir Glück, mal ziehen wir uns eine Verletzung zu, mal erleiden wir höchstens eine kleine Blessur.

 

Manchmal sorgt der frostige Boden dafür, dass wir wieder und wieder ins Straucheln geraten und verletzt werden.

Manche Verletzungen heilen – zumindest oberflächlich…

 

Doch manche Verletzungen sitzen tief, und wir tragen die Spätfolgen davon. Wenn wir Glück haben, sind diese so leicht, dass wir sie nur dann spüren, wenn wir ganz ganz tief in uns hinein hören.

Und manchmal tauchen sie in den ungünstigsten Momenten wieder auf. Sobald der Weg vor uns auch nur das kleinste Glitzerkleid trägt, denken wir daran, wie schmerzhaft unser Sturz gewesen ist, und wir trauen uns kaum noch einen Schritt vorwärts – erwarten wir doch immer wieder, jeden Moment auszurutschen und zu stürzen.

 

Man traut sich nicht, jemanden darum zu bitten, einen auf seinem Weg zu begleiten und eine Hand oder einen Arm anzubieten, damit man sich im Bedarfsfall festhalten kann – hat man doch Sorge, wieder als „übervorsichtig“ bezeichnet zu werden. Zu oft schon musste man sich alleine seinen Ängsten stellen, und bekam, hat man sich geöffnet, gesagt bekommen „steigere Dich da doch nicht rein!“.

Und so leckt man still und heimlich die Wunden, die der Sturz hervorgerufen hat, und greift nicht nach einer Hand – aus Angst, der Mensch, der einen begleitet, stürzt mit einem, und landet ebenso unsanft auf dem Boden auf.

 

Was tut man also: man wickelt den Schal enger um sich, setzt sich die Mütze, die man tief ins Gesicht zieht, auf, versteckt seine Hände in dicken wärmenden Handschuhen, und zieht die sichersten Schuhe an, die man zur Hand hat – und dann begibt man sich in die dunklen, kalten Straßen und Gassen – nur von Straßenlaternen beleuchtet.

 

Schritt für Schritt setzt man einen Fuß vor den anderen, und hofft und betet, sein Zielort zu erreichen, ohne erneut zu stürzen und zu Boden zu gehen.

 

Man setzt Schritt für Schritt einen Fuß vor den anderen, und hofft, trotz des gefrorenen Bodens heil zuhause anzukommen.

Zu dem Zuhause zu kommen, wo es warm, heimelig und kuschelig ist. Wo man sich aufwärmen und entspannen kann – und wo man die Verletzungen nicht mehr so stark spürt, weil man spürt „Man hat es geschafft!“.